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Labregister

Neugestaltung eines LIMS für verschiedene Labortypen

Labregister ist ein Lab Inventory Management System (LIMS), das entwickelt wurde, um Wissenschaftler:innen dabei zu unterstützen, in Echtzeit den Überblick über im Labor verfügbare Geräte, Reagenzien, Proben, Chemikalien usw. zu behalten. Darüber hinaus ermöglicht es die Visualisierung von DNA-Sequenzen, Kauf- und Ablaufdaten sowie weiterer relevanter Metadaten, mit der zusätzlichen Möglichkeit, diese über Barcode-Scanner direkt im System zu registrieren.

Zu den weiteren Funktionen zählen eine erweiterte Suchfunktion mit logischen Operatoren sowie die Registrierung von Parent- und Child-Komponenten, die im Labor im Rahmen der Eigenproduktion hergestellt wurden.

Firma Labforward GmbH
Rollen Senior Produktdesignerin
Umfang UX, UI, Designsystem, Informationsarchitektur
Tools UXPin, Illustrator
Jahre 2020-2022
Briefing Neugestaltung der Inventaranwendung, die zu einem eigenständigen Produkt weiterentwickelt wurde, um es Wissenschaftlern zu ermöglichen, jedes gelagerte Element in ihren eigenen sowie in anderen Laboren anhand präziser Standortangaben zu finden, sowie zur Entwicklung eines Managementsystems zur Echtzeit-Aktualisierung der Laborbestände.

Die Herausforderung

Von der Erweiterung zur eigenständigen Anwendung

Labregister wurde ursprünglich im Jahr 2016 als Erweiterung von Labfolder entwickelt, dem unternehmenseigenen ELN. Damals trug es den Namen Material Datenbank (MDB). Die Designreise begann, als im Rahmen einer Geschäftsentscheidung beschlossen wurde, LabregisterMDB zu einem eigenständigen Produkt weiterzuentwickeln – einem vollwertigen LIMS mit dem Zielnamen Labregister.

So sah MDB im Jahr 2016 aus. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein bestehendes Designsystem für potenzielle Erweiterungen von Labfolder – lediglich ein Farbkonzept war vorhanden.

2) Meine Rollen im Projekt

Produktdesignerin

• Auf der UX-Design-Seite bestand ein großer Teil der Arbeit darin, verschiedene Stakeholder zu interviewen: Zu den berücksichtigten Personas gehörten unterschiedliche Arten von Wissenschaftlern, wie Molekularbiologn, Neurobiologn und analytische Chemikern, sowie natürlich das Top-Management.

• Auf der UI-Design- und Frontend-Seite sollte das Frontend mit Aurelia, einem Open-Source-Framework, entwickelt werden. Zudem musste eine Frontend-Bibliothek implementiert werden, weshalb wir uns entschieden, eine selbstgehostete Instanz auf dem Entwicklungsserver einzurichten, um Klarheit über die entwickelten Komponenten zu schaffen und deren Wiederverwendbarkeit im Team sicherzustellen.

3) UX-Neudefinition

Schmerzpunkte


Datenverwaltung ohne Skalierbarkeit: MDB war ursprünglich als Integration in das ELN gedacht. Zwar war es möglich, Inventarobjekte im ELN zu referenzieren, jedoch standen die Daten innerhalb von MDB kaum in Beziehung zueinander – abgesehen von Kategorien und den darin enthaltenen Elementen. Automatisierung bedeutete in diesem Kontext, dass Elemente ohne manuellen Aufwand aktualisiert werden konnten und sich automatisch aktualisierten, wenn sie in ELN-Einträgen als „verwendetes Material“ referenziert wurden.

Bulk-Aktionen fehlten: Die Bearbeitung der Datenbanken auf Massenebene war nicht möglich. Ziel war es, ein nahezu Excel-ähnliches Niveau zu erreichen. Funktionen wie Archivieren, Löschen oder Exportieren waren schlicht nicht vorhanden.


Maßnahmen: Feature-Design gemeinsam mit Stakeholdern durch Design Sprints


Design Sprints wurden für jede identifizierte fehlende Funktion durchgeführt. Mit einer leichten Anpassung der Methodik und einer regelmäßigen Durchführung zweimal pro Quartal hatte ich jeweils eine Woche Zeit, eine Reihe von Features gemeinsam mit verschiedenen Stakeholdern zu evaluieren.

• Die erste Stakeholder-Gruppe bestand aus Wissenschaftler:innen mit Hintergründen in Biologie, Neurowissenschaften und Chemie, unter anderem. In diesen ersten Sprints erarbeitete ich gemeinsam mit ihnen Wireframes, um ein fundiertes Verständnis der unterschiedlichen Anforderungen zu entwickeln. Die Wireframing-Übungen wurden zunächst auf Papier durchgeführt und anschließend zur gemeinsamen Analyse in Miro übertragen.



Nachdem alle Informationen aus der ersten Stakeholder-Gruppe zusammengetragen und ausgewertet worden waren, kam die nächste Stakeholder-Gruppe ins Spiel.

• Die zweite Stakeholder-Gruppe bestand aus Softwareentwicklern. Ich erstellte schnelle User Flows und Entscheidungsdiagramme, um die Umsetzbarkeit gemeinsam mit den Entwickler:innen zu bewerten. Hier ist ein Ausschnitt solcher Diagramme zu sehen:

…

4) UI-Neudefinition

Designsystem

In der dritten Woche des Design-Sprint-Zyklus begann ich mit der Arbeit am Designsystem von Labregister.
Da das Unternehmen mit einem anderen fusionierte, wurden neue Brand Guidelines entwickelt, um die neue Identität abzubilden. Diese berücksichtigte ich bei der Entwicklung der finalen Komponenten, einschließlich der neuen Farbpalette, der Schriftbibliothek, der unterstützten Responsive-Breakpoints sowie der Mikrointeraktionen. Dabei orientierte ich mich an den Best Practices von Googles Material Design und erfüllte die WCAG-Standards.

UI-Design

In dieser Phase wurde Labregister Teil einer Produktfamilie. Da Labfolder (das ELN) bereits über eine Sidebar-Navigation verfügte, musste Labregister eine Navigation mit denselben Metadatenpunkten anbieten.
Auch eine App Bar wurde entsprechend diesem Konzept umgesetzt.
Zudem wurde eine tabellenbasierte Benutzeroberfläche eingeführt, um Bulk-Aktionen wie Bearbeiten, Duplizieren und Archivieren zu ermöglichen. Die Details einzelner Elemente konnten durch Klicken auf den Namen oder die ID angezeigt und bearbeitet werden.

User Testing

Die vierte Woche des Design-Sprint-Zyklus war dem Testen mit Endnutzern gewidmet. Nachdem die Prototypen fertiggestellt waren, plante ich je nach Verfügbarkeit persönliche Interviews sowie Videocalls. Gemeinsam mit dem Product Manager entwickelten wir die Interviewfragen, um eine einheitliche Bewertung der Usability und Auffindbarkeit von Funktionen zu gewährleisten. Unsere Testpersonen kamen überwiegend vom BIH und der Charité (ein besonderer Dank geht an die Abteilung für Molekularbiologie!). Insgesamt führten wir in dieser Woche etwa 30 Interviews durch. Die Validierung lieferte gute Ergebnisse – es waren nur kleinere Anpassungen an den Buttons erforderlich (die Nutzer:innen bevorzugten diese mit Beschriftungen).

5) Engineering-Deliverables

User Flows

Nachdem die Validierung für den ersten Feature-Satz abgeschlossen war, erstellte ich User Flows anhand von Screenshots in Miro für unser Softwareentwicklungsteam. Besonders das Frontend-Team schätzte die dadurch gewonnene Klarheit. Hier ist ein Ausschnitt des Bulk-Aktionen-Flows zu sehen:

6) Reichweite des Designs

Registrierte Nutzer 21.389 in Q3 2022
Aktive Nutzer 20.844 (99,45%) in Q3 2022
Nutzerbasis Wissenschaftler und Rechercher bei:
• Anchor Diagnostics GmbH
• BIH - Berlin Institute of Health
• Charité - Universitätsmedizin Berlin
• Ichor Life Sciences, Inc.
• Gestlich Pharma AG
• Technische Universität Cheminitz
• UKE - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf