1) Zusammenfassung
| Firma | ResearchGate GmbH |
| Produkt | Android Mobil-App |
| Team | Produktbereich → Design-Team |
| Rollen | Senior Produktdesignerin I |
| Umfang | UX, UI, Design-System |
| Tools | Figma |
| Timeline | Juli - Dezember 2022 |
| Übersicht | Ich habe die Android-App von ResearchGate von Grund auf neu gestaltet, einschließlich der Login-, Feed-, Profil-, Publikations- und Navigationsfunktionen, um die Interaktion mit der Plattform zu steigern und gleichzeitig dem zentralen Bedürfnis der Nutzer gerecht zu werden, über neu veröffentlichte Forschungsergebnisse auf dem Laufenden zu bleiben. |
2) Produkt und Businesskontext
Produktübersicht
ResearchGate ist eine Online-Plattform, die Wissenschaftlern und Forschenden den Zugriff auf über 160 Millionen Publikationsseiten ermöglicht und sie über aktuelle Entwicklungen in ihren Fachgebieten auf dem Laufenden hält. Darüber hinaus können sie sich mit ihrer Fachgemeinschaft vernetzen, ihre Forschung teilen, die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen fördern sowie detaillierte Statistiken über die Wirkung ihrer Arbeit erhalten, indem ihr Einfluss bewertet und ihre Zitationen nachverfolgt werden.
ResearchGate wird derzeit von 25 Millionen Wissenschaftlern weltweit genutzt (Stand 2023). Gemessen an den aktiven Nutzern gilt die Plattform als das größte professionelle soziale Netzwerk für Wissenschaftler und Forschende.
Ursprünglich für Bachelor- und Masterstudierende konzipiert, bestand die zentrale Motivation von ResearchGate darin, freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen zu ermöglichen und Wissen für alle zugänglich zu machen.
Die Herausforderungen
Die ResearchGate-iOS-App, die irgendwann in den 2010er Jahren entwickelt wurde, wurde aufgrund geringer Nutzung nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Nutzer verwendeten ResearchGate damals überwiegend über die Web-App, da das mobile Verhalten noch nicht stark ausgeprägt war.
Mit dem zunehmenden Trend zur mobilen Nutzung wurde die Wiederbelebung der mobilen Apps zu einer geschäftlichen Priorität. In diesem Zuge wurde einem neuen Team aus Mobile Entwicklern, einer Produktmanagerin, einer Engineering-Managerin sowie mir zusammengestellt, um die App wieder zum Leben zu erwecken und zusätzlich eine neue Android-Version zu entwickeln.
• Wie die App interessant gestaltet werden kann, wurde ebenfalls zu einer zentralen Fragestellung – wie man eine große Menge an Publikationsdaten darstellen kann, ohne die Nutzer zu überfordern, war eine wiederkehrende Frage der Stakeholder. Ebenso stand im Fokus, wie man die Nutzer langfristig aktiv und engagiert halten kann.
Über Support-Tickets und App-Store-Bewertungen konnten wir mehrere Nutzerprobleme der iOS-App identifizieren:
• Fehlende Synchronisation mit der Web-App: Interaktionen mit Publikationen (z. B. Empfehlungen oder gespeicherte Inhalte) wurden nicht mit der Web-App synchronisiert, sondern nur lokal in der mobilen App gespeichert. 😠 Dies führte zu großer Frustration, da gespeicherte Inhalte auf dem Desktop nicht verfügbar waren.
Die vorhandene iOS-App wies mehrere Probleme auf, die wir adressieren mussten:
• Sie entsprach nicht mehr dem visuellen Stand moderner Apps nach 2020
• Sie verwendete veraltete Branding-Guidelines
• Die Performance war aufgrund veralteter Technologie unterdurchschnittlich
Erfolgsmetriken
Für Q4 2022 haben wir folgende Ziele definiert:
• Play Store Downloads: 1 Million erreichen
• App Store Downloads: 1 Million erreichen (Ausgangswert ca. 500.000)
• Reduktion von Support-Tickets: Ambitioniert, aber klar definiert – Ziel war es, keine Beschwerden mehr zu den beiden Apps zu erhalten
• App-Bewertungen: Über 4,5 Sterne auf beiden Plattformen erreichen
3) Discovery-Prozess und Recherche
Der Discovery-Prozess basierte auf dem oben beschriebenen geschäftlichen Problem: Wie kann die App interessant gestaltet werden, während die Nutzer gleichzeitig aktiv und engagiert bleiben?
Das Hauptziel dieser Phase war es, zu verstehen:
• Was Nutzer über die bestehende App dachten
• Welche Funktionen sie in der Benutzeroberfläche erwarteten
• Welches Gerät sie als am nützlichsten empfanden
• Wie ihr Verhalten aussieht, um neue Publikationen aus ihrem und verwandten Fachbereichen zu finden
Forschungsgrundlagen
| Quelle | Untersuchungsgegenstand | Wichtigste Erkenntnisse |
|---|---|---|
| Support-Tickets (100 in Q3 2022) | • Fehlende Synchronisation zwischen der iOS-App und der Webplattform. |
• Über die Web-App gespeicherte Inhalte erschienen nicht in der mobilen App. • Es gab keine Funktion zum Speichern von Forschungspublikationen in der App (zumindest war sie nicht offensichtlich auffindbar). |
| Nutzerinterviews (20) |
• Geräteverhalten • Erwartungen an die App |
• Nutzer speichern interessante Publikationen häufig, um sie später auf größeren Geräten zu lesen. • Abstract und Abbildungen einer Publikation sind die ersten Elemente, auf die Nutzer ihre Aufmerksamkeit richten. • Der primäre Zweck der mobilen App besteht darin, Forschung zu finden, nicht sie sofort zu lesen oder detailliert zu analysieren. • Es gab eine Grenze dessen, was Nutzer im Feed als relevant wahrnahmen – einige Vorschläge wurden als irrelevant oder nicht neu genug bewertet. |
| Wettbewerbsanalyse |
• Onboarding-Prozesse • Organisation des Feeds • Darstellung von Publikationen |
• Das Onboarding vieler vergleichbarer Apps basiert auf der Auswahl von Forschungsthemen. • Die Feed-Darstellung kann häufig nach aktuellen oder relevanten Publikationen angepasst werden. • Die Darstellung von Publikationen ist über verschiedene Apps hinweg weitgehend konsistent: Titel, Abstract und Abbildungen werden angezeigt. |
Zentrale Erkenntnisse
• Hinter der Bezeichnung Folgen verborgen, wurde die Funktion von den Nutzern nicht mit dem Speichern von Inhalten in Verbindung gebracht. Die gewählte Formulierung machte das Feature für die meisten praktisch unsichtbar.
• Wie bereits erwähnt, erschienen gespeicherte Inhalte selbst dann nicht in der Web-App, wenn Nutzer die Funktion fanden. Sie wurden ausschließlich lokal in der mobilen App gespeichert, wodurch die Funktion ihren eigentlichen Zweck – Forschung für späteres Lesen zu speichern – weitgehend verfehlte.
• Die Wahrnehmung, dass vorgeschlagene Beiträge nicht neu, wiederholend oder irrelevant sind, war stark ausgeprägt.
• Interviewteilnehmer gaben an, dass dies ein zentraler Grund dafür war, die App nicht regelmäßig zu nutzen: Alle Publikationen im Feed eines Tages waren bereits vollständig bekannt.
„Es ist, als würde der Algorithmus Beiträge recyceln.“
- Doktorand am Max-Planck-Institut
„Warum gebe ich meine Interessen im Profil an, wenn dazu keine passenden Vorschläge angezeigt werden?“
- Professor an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
Aus der Forschung abgeleitete Designprinzipien
• Einheitliche Benennung von Funktionen zwischen Web-App und mobilen Apps sicherstellen.
• Eine klare Informationshierarchie innerhalb von Publikationen schaffen.
• Die Logik hinter empfohlenen Forschungsinhalten, dem RG-Score und dem h-Index-Score verständlich machen.
• Eine stärker visuelle Sprache in der App etablieren, statt sich ausschließlich auf Text zu verlassen.
Diese Prinzipien bildeten die Grundlage für die Bewertung von Konzepten und die Priorisierung von Lösungen während der Designphase.
Bedeutung dieser Forschung
Anstatt die Screens nur kosmetisch zu gestalten, wurde die Herausforderung neu definiert und auf folgende Punkte ausgerichtet:
• Nutzer Klarheit über Begriffe zu geben, die in der Web-App oft unverständlich waren.
• Das visuelle Feedback bei Aktionen wie Empfehlen oder Speichern zu verbessern.
• Die Darstellung und Struktur der Publikationen zu verbessern.
4) Designlösungen
Auf Basis der vorherigen Erkenntnisse war eine vollständige Neugestaltung der App erforderlich. In diesem Abschnitt gehe ich auf die zentralen Funktionen ein, die überarbeitet wurden:
4.1) Hauptfeed
• Nutzer hatten den Eindruck, dass die im Feed angezeigten Publikationen zufällig erscheinen: Es war nicht klar, ob sie nach Veröffentlichungsdatum oder nach Empfehlungen anderer Forschender sortiert wurden.
• Die Publikationskarten waren visuell nicht klar voneinander abgrenzbar – wo beginnt und wo endet eine Publikation?
• Der Grund, warum bestimmte Publikationen im Feed eines Nutzers erschienen, war nicht ersichtlich. Wurde der Feed anhand von Forschungsinteressen oder durch Empfehlungen anderer Nutzer befüllt?
Backend:
• Das in der App verwendete Backend musste neu geschrieben werden, um die Logik der Web-App abzubilden.
• Neue Features mussten entwickelt werden, um Parität mit der Web-App zu erreichen.
Design und Frontend:
• Das Designsystem musste an neue Usability-Standards sowie das aktualisierte Corporate Branding angepasst werden.
• Die User-Flows der App mussten dokumentiert und an die bestehenden Implementierungen der Web-App angepasst werden.
• Alle Screens mussten vollständig neu entwickelt werden.
Feed-Qualifizierer
Der erste zu lösende Aspekt waren die Feed-Card-Qualifizierer, um eine klare Unterscheidung zwischen Inhalten zu schaffen, die von Personen aus dem Netzwerk eines Nutzers gepostet wurden, Empfehlungen anderer Nutzer, systemgenerierte Vorschläge sowie Werbung.
Feed-Card-Layouts
Es wurden verschiedene Layouts mit unterschiedlicher Informationshierarchie entwickelt, basierend auf den Rückmeldungen der Nutzer dazu, welche Informationen sie auf den ersten Blick als relevant empfinden.
• Variante A zeigte ein einfacheres Layout mit Full-Width-Cards und stellte die zur Publikation gehörende Bildersammlung als Raster in den Vordergrund, gefolgt vom Titel.
• Variante B bot ein kartenbasiertes Layout, bei dem der Publikationstitel und die Autoren im Fokus standen, gefolgt von der Bildersammlung als Raster.
• Variante C verwendete ebenfalls ein kartenbasiertes Layout wie Variante B, legte jedoch den Schwerpunkt auf die Bildersammlung, gefolgt von Titel und Autoren. Die Bildersammlung unterschied sich insofern, als dass alle Bilder gleich groß dargestellt wurden und das horizontale Scrollen integriert wurde, anstatt eines Rasters.
Am Ende zeigte Variante C die höchste visuelle Konsistenz und ermöglichte die Darstellung von mehr Informationen beim Scrollen, weshalb diese Variante vom Team für weitere Validierungen ausgewählt wurde.
Ich habe eng mit dem Head of Design sowie den Product Designern der Web-App zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass die Vorschläge mit der Web-App konsistent sind. Ebenso arbeitete ich mit dem User Research Team zusammen, um persönliche Interviews zur Validierung der Ideen zu organisieren.
• Das ausgewählte Feed-Design wurde mit Version 1.2 der iOS-App und Version 1.0 der Android-App veröffentlicht.
• Das über App-Bewertungen erhaltene Feedback war insgesamt positiv. Einige Nutzer erwähnten, dass der Feed leichter zu navigieren sei und optisch moderner wirke.
4.2) Publikationsdetails
• Nutzer hatten den Eindruck, dass die Details einer Publikation über den gesamten Screen verstreut waren. Es gab keine klare Logik, in welcher Reihenfolge die verschiedenen Bereiche gelesen werden sollten. Besonders beim Lesen des Abstracts war dies problematisch: Die Abbildungen befanden sich an einer komplett anderen Stelle, sodass es umständlich war, zuerst die Abbildungen zu öffnen und anschließend wieder zurück zum Abstract zu scrollen.
• Die Aktionen im Zusammenhang mit der Publikation wirkten willkürlich platziert.
Backend:
• Neue Features mussten entwickelt werden, um die Parität mit der Web-App zu erreichen.
Design und Frontend:
• Die User-Flows der App mussten dokumentiert und an die bestehenden Implementierungen der Web-App angepasst werden.
• Alle Screens mussten vollständig neu erstellt werden.
Publikationskopf
Es wurden verschiedene Layouts mit den relevanten Informationen des Publikationstitels präsentiert: der Titel selbst, Autoren, DOI, Publikationstyp, Verfügbarkeit des Volltexts, Veröffentlichungsdatum sowie das Journal. Zusätzlich wurden Social-Buttons und Aktionsbuttons (zum Anzeigen und Herunterladen des Volltexts) bereitgestellt.
• Variante A betonte den Publikationstitel und den DOI. Die Autoren wurden als Liste dargestellt, analog zur Web-Plattform.
Die weiteren Varianten (B, C und D) stellten die Autoren, den DOI und das Datum in den Vordergrund, unterschieden sich jedoch in der Frage, ob Buttons angezeigt werden oder nicht. In diesem Zusammenhang:
• Variante B bot das vollständige Set an Buttons: Volltext herunterladen, Volltext anzeigen sowie Social-Buttons (Empfehlen, Teilen, Speichern).
• Variante C enthielt ausschließlich die Social-Buttons.
• Variante D reduzierte die Funktionen auf einen Button in der Top-App-Bar, über den alle Funktionen ausgelagert werden konnten.
Am Ende erwies sich Variante C als visuell ansprechendste Lösung durch ihre Klarheit und als diejenige, die laut Nutzerfeedback am meisten Vertrautheit vermittelte. Die Mehrheit der Nutzer gab an, den Volltext nicht auf dem Smartphone herunterladen zu müssen (dies ist eher ein Desktop-Use-Case) und ihn auch nicht prominent angezeigt zu benötigen.
Publikationsaktionen
Da die dateibezogenen Aktionen in ein Drawer-Menü in der Top-Bar ausgelagert wurden, folgte die Gestaltung diesem Prinzip.
• Diese Aktionen wurden als erste in ihrer Reihenfolge nach Wichtigkeit aufgeführt.
• Weitere wichtige Aktionen, wie das externe Teilen (Social Media, E-Mail) sowie das Beanspruchen der Autorenschaft einer Publikation, wurden für dieses Menü berücksichtigt.
Publikationsinhalt
Wie bereits erwähnt, lag das Hauptproblem der Inhaltsdarstellung in der Struktur des Abstracts: Die Abbildungen waren nicht im selben Block wie der Text angeordnet, sodass es umständlich war, zunächst die Abbildungen zu öffnen und anschließend wieder zum Abstract zurückzuscrollen, um einen zusammenhängenden Lesefluss zu erhalten.
• Es wurden drei Varianten entwickelt, um die besten Möglichkeiten zur Darstellung dieser Informationsblöcke zu visualisieren.
• Variante A folgte der Struktur der Web-Version: Zuerst wurden die Statistiken angezeigt, anschließend Abstract und Abbildungen, danach die Volltext-Datei (falls verfügbar) sowie die verwandten Bereiche (Zitationen, Referenzen und ähnliche Forschung) zum Zugriff.
• Variante B platzierte die Statistiken oberhalb der verwandten Bereiche.
• In Variante C wurde ein Tab-Ansatz untersucht, um nicht zu viele Inhalte auf einem einzigen Screen darzustellen.
Am Ende wurde Variante A von den Nutzern bevorzugt, da sie der Web-Version sehr ähnlich war und die Statistiken als wichtigste Informationen zuerst sichtbar waren.
Ich habe eng mit dem Head of Design und den Product Designern der Web-App zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass die Vorschläge mit der Web-App konsistent sind. Darüber hinaus arbeitete ich auch mit dem Legal Team zusammen, da Publikationen ein urheberrechtlich sensibles Thema sind und die Darstellung von Journaldaten spezifische sprachliche Anforderungen erfüllt. Gemeinsam mit den Content- und Legal-Teams haben wir definiert, welche Informationen sofort sichtbar sein sollten und nicht beispielsweise in Tooltips versteckt werden dürfen.
• Das ausgewählte Publikationsdesign wurde mit Version 1.2 der iOS-App und Version 1.0 der Android-App veröffentlicht.
• Das über App-Bewertungen erhaltene Feedback war insgesamt positiv. Nutzer bemängelten lediglich das Fehlen der Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Dieses Feature wurde jedoch für den ersten Release nicht priorisiert.
5) Design-System
Ich habe das Designsystem an mobile Standards angepasst – und damit faktisch ein eigenes System für Mobile aufgebaut. Das Design System Team war für die Pflege des Systems der Web-App verantwortlich, während es in meiner Verantwortung lag, das mobile System zu erstellen und aktuell zu halten.
Ich habe die Komponenten leicht angepasst, um besser den Android-Standards und WCAG-Richtlinien zu entsprechen, und zusätzlich Light- und Dark-Theme-Varianten entwickelt.
6) Einfluss
Einfluss auf das Geschäft
Im Bereich der App-Downloads sprechen die Zahlen für sich: Nach dem ersten Release der Android-App und der Überarbeitung der iOS-App stiegen die Downloadzahlen an und überschritten die Marke von einer Million, während sich gleichzeitig auch die Bewertungen verbesserten:
| App-Store-Downloads | 1 Mio. |
| Google-Play-Downloads | 1+ Mio. |
| App-Store-Bewertungen | 4,3 / 5 (Stand Q1 2023) |
| Google-Play-Bewertungen | 4., / 5 (Stand Q1 2023) |
Damit wurden die Erfolgsmetriken erreicht. ✔
Einfluss auf Nutzer
Nach dem Release wurden Nutzer gebeten – und einige meldeten sich auch eigenständig –, ihre Erfahrungen mit der App zu teilen. Einige der wichtigsten Rückmeldungen waren:
• Sie äußerten Freude darüber, dass sie endlich auch unterwegs Publikationen durchsuchen und speichern konnten.
• Einige Funktionen wurden vermisst, wie z. B. das Hochladen von Publikationen, allerdings bestand allgemein die Erwartung, dass diese Funktion in Zukunft noch ergänzt werden würde.
• Die Lernkurve wurde als gering wahrgenommen – die Nutzer konnten die App schnell und intuitiv verstehen.
• Es gab vereinzelt Fälle von App-Abstürzen, die jedoch nach Analyse auf ältere, nicht mehr unterstützte Android-Versionen zurückzuführen waren. Die Nutzer wurden entsprechend darüber informiert.
7) Reflexion
Was ich gelernt habe
• Aus technischer Perspektive habe ich gelernt, dass eine gute Zusammenarbeit durch klare und strukturierte Feature-Breakdown-Sessions erreicht werden kann. Software-Entwickler sind in der Regel sehr motiviert, die geplanten Features umzusetzen und weiterzuentwickeln. Solche Sessions helfen dabei, sicherzustellen, dass alle auf dem gleichen Stand sind, und fördern gleichzeitig die Inspiration im Team, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.
• Aus Sicht des Stakeholder-Alignments habe ich auf die harte Tour gelernt, dass nicht alle Stakeholder offen für Ideen und Verbesserungen sind – insbesondere dann, wenn sie in Management-Positionen sitzen. Mir geht es dabei nicht darum, Kritik an einzelnen Personen zu üben, aber die Entscheidungen rund um App-Launch, Features und Design lagen in einem hohen Maße nicht beim Mobile-Team, sondern auf CPO-Ebene, die nur wenig direkten Bezug zum eigentlichen Entwicklungsprozess hatte und eher auf sehr traditionellen (nicht-agilen) Arbeitsweisen basierte. Dadurch habe ich gelernt, dass in manchen Unternehmen selbst fundierte Forschungsergebnisse keine Garantie dafür sind, dass sich Entscheidungen durchsetzen – da Management-Entscheidungen plötzlich alles verändern und man unter Umständen von vorne beginnen muss. In solchen Situationen ist vor allem Anpassungsfähigkeit entscheidend.
Was ich verbessern würde
Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich folgende Punkte priorisiert und gründlicher umgesetzt:
• Die „Research hochladen“-Funktion, da diese auch von Nutzern als wichtig bewertet wurde, die Preprint-Publikationen veröffentlichen möchten. Dies hätte die App-Adoption mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter gesteigert.
• Die „Publikation kommentieren“-Funktion, um mehr Diskussionen über Forschung anzuregen. Dadurch hätte auch der soziale Aspekt der Plattform weiter gestärkt werden können.